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2008-06-12   up down

Der Watschenmann

Kommentar



»Es ist ein Pfutschijammer!«  ex_url

Eine Ausstellung erinnert an das erste Radiokabarett des Landes.
Die Absetzung der Sendung führte 1956 erstmals zu einem Volksbegehren in Österreich.
Heinz Lunzer - Die Zeit online 2008-06-12
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»Es ist ein Pfutschijammer!«  ex_url

Eine Ausstellung erinnert an das erste Radiokabarett des Landes.
Die Absetzung der Sendung führte 1956 erstmals zu einem Volksbegehren in Österreich.
Heinz Lunzer - Die Zeit online 2008-06-12

Seavas Teiferl, gibt’s wos Neix?«, fragte ein Höllenbewohner den anderen. Die Neuigkeiten, welche die kleinen Satansbraten aus Wien zu berichten wussten, waren oft derart hanebüchen, dass sich ihr Chef in der Unterwelt diabolisch freute. Die beiden Teufelchen zählten zum fixen Personal der satirischen Radiosendung Der Watschenmann , mit der in den Wiederaufbaujahren erstmals das Wagnis unternommen wurde, im österreichischen Rundfunk kabarettistische Kritik zuzulassen.


Die Prater-Attraktion Watschenmann stand der Programmidee in doppelter Hinsicht Pate. Hier wurden Ohrfeigen verabreicht, sowohl um öffentliches Fehlverhalten zu ahnden, aber ebenso um Frustrationen ein Ventil zu verschaffen, wenn sich zu viel Missmut über die allgegenwärtige Vetternwirtschaft, die Bevormundung durch Behörden und die Schlamperei in der Verwaltung aufgestaut hatte. »Jeden Ärger zu verdrängen kann nur zu Komplexen führen«, erläuterte schon die Signation der Sendung, »und drum ist es äußerst wichtig, sich schnell abzureagiern.« Dementsprechend häufig schepperte der Watschenbrummer, der einen akustischen Schlusspunkt hinter viele Szenen der Programmcollage setzte.
Das wöchentliche Radiokabarett, das im Oktober 1954 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, entwickelte sich rasch zu einer der beliebtesten Rundfunksendungen im Land. Viele Wortkreationen des Watschenmann- Teams zählten lange Zeit zu stehenden Begriffen in der Umgangssprache. Und als die freche halbe Stunde nach nicht einmal zwei Jahren wieder abgewürgt wurde, löste dieser obrigkeitsstaatliche Eingriff das erste, damals noch inoffizielle Volksbegehren in Österreich aus. Freilich vergeblich. Doch der Watschenmann half, in der jungen Republik die demokratischen Spielregeln zu üben.
Im Jahr der Watschenmann- Premiere standen die Medien noch unter Kontrolle der vier Besatzungsmächte. Der Staatsrundfunk (das erste Fernsehprogramm erreichte das Land erst 1955) befand sich unter der gemeinsamen Aufsicht von Regierung und Sowjets. Entsprechend kleinlaut hörte sich das Programm auch an.
Im Gegensatz dazu betrieben die Amerikaner eine vergleichsweise moderne Medienpolitik. Mit dem Wiener Kurier hatten sie ein rasantes Boulevardblatt initiiert, und in unmittelbarer Nähe zu der Redaktion dieser Erfolgszeitung funkte der Sender Rot-Weiß-Rot unter amerikanischer Patronanz. Dort hatten gute Ideen immer eine Chance. Die bunt zusammengewürfelte Watschenmann- Truppe bestand aus jungen Journalisten und Theaterleuten. Der kriegsversehrte Regisseur Walter Davy, Absolvent des Reinhardt-Seminars, kam beispielsweise vom Burgtheater. Der junge Romanist Peter Weiser hatte die Kriegsjahre im Schweizer Exil verbracht und schrieb anschließend für ein katholisches Wochenblatt. Der Kunsthistoriker Jörg Mauthe arbeitete als Kulturkritiker; später trat der ÖVP-Politiker als Wiener Stadtrat und Pionier grüner Ideen in Erscheinung. Sein Bruder, der Rechtsanwalt Fritz Mauthe, hatte die Aufgabe, die juristischen Fährnisse der Sendung abzuwägen. Die politischen Ansichten des Teams unterschieden sich zum Teil beträchtlich, manch einer war ein geläuterter Nazi.
In kürzester Zeit gelang es dieser Mannschaft, von ihrem Sendungsstudio in der Seidengasse aus ein breites Publikum um sich zu scharen. Naturgemäß zum Unmut der Politiker und Bürokraten, die plötzlich die ungewohnte Erfahrung machen mussten, in das Visier von Spott und Kritik zu geraten.
Jede der halbstündigen Sendungen bestand aus 15 bis 20 Szenen, die in einer akustischen Ohrfeige kulminierten. Kurze Liedzitate (die Bandbreite reichte von Richard Wagner bis zu aktuellen Schlagern) unterstrichen oder ergänzten die Intention der Geschichte. Das Radiokabarett glänzte durch nuanciert angebrachte Sprachspielereien, die sich in ihrer Pfiffigkeit von den Stücken von Johann Nepomuk Nestroy und Ferdinand Raimund herleiteten – von der Tradition der alten Wiener Volkskomödie. Dabei dient oft Naivität dazu, spitze Angriffe zu transportieren, deren Aussagekraft aber durch heftigen Dialekt als scheinbare Ahnungslosigkeit getarnt wird.
Aus diesen oft nur zwei Minuten langen Szenen entwickelte das Watschenmann- Team eine Reihe verschiedener Genres, die immer wieder in der Sendung auftauchten. Am Beginn wurde häufig ein Brief des Schülers Poldi Huber an den »liiieben Fransi« in Urfahr bei Linz verlesen.
Dieser Poldi hatte zwar mit seinen Bemerkungen meistens recht, wurde aber von seinem rabiaten Vater und seinen Lehrern dafür bestraft, sich eigene Gedanken zu machen, anstatt die Aussagen der Erwachsenen ehrfürchtig zu akzeptieren. Die satirische Korrespondenz stand in der Tradition berühmter literarischer Vorbilder: der Schulaufsätze des Poldi Huber von Robert Weil, die ab 1913 erschienen waren, oder der Briefe eines Eipeldauers an seinen Herrn Vetter in Kakran über d’Wienerstadt von Josef Richter, dem bedeutendsten literarischen Vertreter der josephinischen Aufklärung.
Zu weiteren stehenden Figuren des Programmablaufes gehörten neben den kleinen Teufeln auch Engerln, die einander »Halleluja, Engerl, Hallé-hallé-halléééluuja« begrüßten, was in Wien zeitweilig zu einem Gassenhauer avancierte. Ebenso der Stoßseufzer, mit dem die österreichischen Kinder die Berichte des fernen Onkels Suki Yuki quittierten: »Es ist ein Pfutschijammer!«
Einen anderen Fixpunkt bildete die Schilderung der Merkwürdigkeiten, die sich in einer Weltstadt aus Tausendundeiner Nacht beobachten ließen. Ein Kalif spazierte dazu unerkannt durch Bagdad, recte Wien, und erkundigte sich nach den verborgenen Zusammenhängen von Alltagsmiseren, die ihm befremdlich erschienen. Jedes Mal mündete das Erklärungsmuster, das dem Flaneur angeboten wurde, in einer Redewendung, die sich im Sprachgebrauch bis heute festgesetzt hat: »Ja in deinem Land, o Fremdling, vielleicht, aber bei uns in Bagdad…«
Kein Pardon kannte die Sendung mit unverbesserlichen Nazis, Mitläufern und Anhängern rechten Gedankenguts. Dadurch geriet fast zwangsläufig auch die Vorgängerpartei der FPÖ in das Visier der Radiosatiriker: »Das VdU-Kampfblatt, mein Gott… Wo ist denn eigentlich die Redaktion? Genau dort, wo sie hingehört: in der Hetz-Gasse.«
Aber auch die Kommunisten wurden aus Prinzip verhöhnt. »Wenn man’s nimmt, wie damals die Türken von Wien abzogen sind, haben’s wenigstens an starken Kaffee z’rücklassen, und heit die Russen? Net amoi a stoake KP lassens z’ruck.«
Im Watschenmann ging es nicht so bissig zu wie in vielen der legendären Kabarettnummern von Carl Merz, Helmut Qualtinger, Georg Kreisler oder Gerhard Bronner, die zur gleichen Zeit im Intimen Theater oder der Marietta-Bar auftraten (Merz und Qualtinger trugen außerdem ebenso zum Programm von Rot-Weiß-Rot bei). Das Radiokabarett war biedermeierlich und hinterfotzig-verschmitzt und nur mit einer kleinen Prise schwarzem Humor aromatisiert.
Dennoch bekam die Sendung bald den Unmut der Politiker zu spüren, die fürchteten, die amüsanten und populären Sprachschöpfungen würden ihre Autorität untergraben. Solange der Watschenmann noch unter amerikanischer Ägide ausgestrahlt wurde, blieb die satirische Freizügigkeit allerdings unangetastet. Mit dem Abzug der Besatzungsmächte verschwand dieser Schutz jedoch im Sommer 1955, und der quasi exterritoriale Sender wurde mitsamt dem Watschenmann in den Staatsfunk eingegliedert. Der neue Programmdirektor Rudolf Henz, ein katholischer Dichter, dessen Karriere in den Ständestaat zurückreichte, zeigte weniger Rückgrat, und wenige Monate später stellte er die beliebte Sendung ein. Nach dem traurigen Finale hielt Henz im Radio noch einen gewundenen Nachruf, in dem er durchblicken ließ, die junge österreichische Demokratie könne sich solche »Ausrutscher« noch nicht leisten.
Der Kurier, nunmehr in österreichischer Hand, aber noch mit amerikanischem Schwung, organisierte die direkte Demokratie. In wenigen Tagen sammelte die Zeitung über 130000 Unterschriften und Sympathiekundgebungen. Umsonst, das Land war wohl, aber seine Politiker und sein Rundfunkchef Henz waren noch nicht reif dafür. Mit seinen Worten: »Durch die Pressekampagne erhielt eine an sich nette satirische Geschichte leider ein Gewicht, das ihr nie zugedacht war und nie zukam. Sie wurde künstlich überhöht, in ihrer Wichtigkeit überbetont und schließlich zu einer Art Test für die Freiheit des Wortes im Rundfunk überhaupt, ja für die österreichische Demokratie.«
Erst 1964, unter anderem wieder auf Initiative des Kuriers, erkämpfte ein offizielles Volksbegehren mit diesmal 830000 Unterschriften die Entpolitisierung des staatlichen Rundfunks. Henz, der stolz darauf war, seinem Nachfolger nie die Hand gereicht zu haben, musste abtreten. Gerd Bacher, der neue Generalintendant, setzte die damals bereits legendäre Sendung wieder auf den Programmplan. Die meisten aus dem Team der ersten Serie waren abermals beteiligt, die Struktur blieb unverändert.
Zu Beginn der ersten Sendung der Neuauflage am 20. Mai 1967 wurde der Figur des Watschenmanns in einer imaginierten Szene neues Leben eingehaucht, indem die ganze Kette von Skandalen und Affären heraufbeschworen wurde, die in dem vergangenen Jahrzehnt durch keinerlei verdiente Watschen gesühnt worden waren. Bis zum Juni 1975 verabschiedete sich nun wieder das satirische Funkjournal mit dem Hinweis: »Wir bitten zu beachten, dass die dargestellten Personen und Handlungen absichtlich nicht frei erfunden worden sind, solchene Sachen lassen sich nicht erfinden, nicht einmal von unserem Etablissement.«
Der Autor ist Kurator der Ausstellung »Der Watschenmann. Vom Austeilen und Einstecken: eine österreichische Radiogeschichte«, die am 19. Juni im Literaturhaus Wien eröffnet wird


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