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Ein Affront für die Genderforscher
Was Männer und Frauen trennt ist schon vor der Geburt ausgemacht.
Das sagen Soziologen und Psychologen weltweit.
Ihre These wird von Genderforschern als „antifeministisch“ abgelehnt.

Ein Affront für die Genderforscher


Ein norwegischer Clown hinterfragte die gängige Vorstellung von Gleichstellung. Und förderte Erstaunliches zutage.


Harald Eia ist Norweger, Komiker und Soziologe. Und er tritt gern als Clown auf, um seinen Gesprächspartnern ehrliche Antworten zu entlocken. Ende 2011 endete einer seiner Aktionen mit der Schließung des millionenschweren Genderinstituts in Norwegen, wo man sich gerne besonderer Gleichheit der Geschlechter rühmt.

Zur Vorgeschichte: Gender Mainstreaming (Gleichstellung der Geschlechter, Anm.) wird in Norwegen seit 1986 im öffentlichen Bereich durchgeführt. Seit 2008 gilt in Aufsichtsräten eine Frauenquote von 40 Prozent. An den Unis wurden zeitweise Stellen nur für Frauen ausgeschrieben. Das Familienministerium heißt "Ministerium für Kinder und Gleichstellung", ein "nationaler Gleichstellungsbeauftragter" kümmert sich darum, dass auch die Werbung geschlechtergerecht ist. So ist zum Beispiel die Darstellung von Frauen im Bikini in der Autowerbung verboten.

In Stein gemeißelt


Aber alles vergebens: Die geschlechtsspezifische Berufswahl ist wie in Stein gemeißelt. Man spricht vom "norwegischen Gleichstellungsparadoxon", für das es keine offizielle Erklärung gibt.

Eias einfache Ausgangsthese war, dass die Geschlechterrollen angeboren sind – eine Provokation für viele Feministinnen, die auch das gerade erschienene Buch "Der falsche Feind. Schuld sind nicht die Männer" von Christine Bauer Jelinek (Ecowin, 19,95 €) ablehnen (der KURIER berichtete).

Eia konfrontierte die beiden Genderforscher Cathrine Egeland und Jørgen Lorentzen mit seiner These. Egeland meinte verdutzt, die Naturwissenschaft habe in dieser Frage wenig Bedeutung. Auch ihr Kollege Lorentzen zeigte sich fest überzeugt, dass allein die Gesellschaft das soziale Geschlecht forme. Wer etwas Gegenteiliges behaupte, stütze sich auf veraltete Forschungsergebnisse.

Daraufhin befragte Komiker Eia Wissenschaftler anderer Disziplinen: Die norwegische Soziologin Camilla Schreiner präsentierte ihm eine Studie, bei der 15-Jährige aus 20 Ländern nach ihren Interessen befragt wurden. Ergebnis: Frauen – gerade in armen Ländern ohne Frauenförderung – haben das größte Interesse an Technik. Weiter ging es in San Francisco, wo Eia den Psychologen Richard Lippa traf. In dessen Studie wurden 200.000 Menschen aus 53 Ländern befragt. Heraus kam, dass überall ähnliche Geschlechterrollen existieren. Wenn etwas in allen Kulturen so konstant sei, sei dies ein Hinweis auf eine biologische Ursache, erläuterte Lippa dem Norweger, der seine Recherche-Interviews auf You Tube veröffentlichte.

Testosteronspiegel


Den nächsten Termin hatte Eia in Cambridge beim Psychologen Simon Baron-Cohen. Dieser hatte einen Tag alten Babys – sie waren also frei von jeglichen Umwelteinflüssen – ein Mobile und ein Gesicht gezeigt. Die meisten männlichen Kinder sahen länger auf das Mobile, während weibliche tendenziell dem Gesicht mehr Aufmerksamkeit schenkten. Baron-Cohen untersuchte auch, welche Auswirkungen die Konzentration des Hormons Testosteron auf das Verhalten hatte. Dabei zeigte sich, dass Kinder, die als Fötus einem besonders hohen Testosteronspiegel im Mutterleib ausgesetzt waren, später zu sprechen begannen und geringere Empathie zeigten. Sie sind weniger an Menschen, aber umso stärker an Systemen interessiert.

In Durham traf Eia die Evolutionspsychologin Anne Campbell. Auch sie meinte, die traditionelle Frauenrolle müsse angeboren sein, denn sie sei evolutionär betrachtet absolut sinnvoll. Frauen bekommen und stillen schließlich die Kinder, deshalb sei es nur logisch, dass sich Frauen besser in andere einfühlen könnten und mehr an Menschen interessiert seien. Campbell hat auch eine Erklärung für die Ergebnisse von Schreiners Studie: In Entwicklungsländern suchen Frauen primär einen Job, um der Armut zu entkommen – egal ob Technik oder nicht. Im reichen Skandinavien hingegen wollen sie einen Beruf, der ihren Neigungen entspricht – einen typischen Frauenberuf eben.

Eia konfrontierte die beiden Genderforscher mit seinen Ergebnissen. Egeland sagte: "Sie sehen nur das, was sie sehen wollen." Auf die Frage, was denn ihre eigene wissenschaftliche Grundlage sei, meinte sie nur: "Ich habe eine theoretische Grundlage".

Eia fasste die Eindrücke seiner Recherche-Reise in einem FAZ-Interview zusammen:
"Mädchen finden technische Berufe nicht unweiblich.
Sie haben auch keine Angst davor, als Mann zu gelten.
Sie finden es einfach langweilig."


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